lineare Aktivitätsanalyse


lineare Aktivitätsanalyse
1. Begriff: Ansatz der  Produktionstheorie, der zu ertragsgesetzlichen Verläufen führt.
- 2. Merkmale: Grundlage der l.A. sind die linear-limitationalen Faktoreinsatzmengenverhältnisse der  Leontief-Produktionsfunktion.
- 3. Abgrenzung: Im Unterschied zu anderen ertragsgesetzlichen  Produktionsfunktionen (klassische und neoklassische Produktionsfunktion) basiert die l.A. auf technischen Zusammenhängen.
- 4. Ziele: Die l.A. leitet ihre produktionstheoretischen Aussagen ausgehend von wenigen Grundannahmen und Postulaten her.
- 5. Entwicklung: Die l.A. wurde in den 50er Jahren für mikroökonomische Betrachtungen begründet und in den 60er Jahren auf betriebswirtschaftliche Zusammenhänge übertragen.
- 6. Axiome: (1) Die  Technologiemenge ist abgeschlossen. (2) Die „Nullaktivität“ (keine Produktion) ist Element der Technologiemenge. (3) Unmöglichkeit des Schlaraffenlands: Es ist keine positive Ausbringungsmenge möglich, ohne Produktionsfaktoren einzusetzen. (4) Irreversibilität: technische Aktivitäten sind nicht umkehrbar.
- 7. Eigenschaften: a) Proportionalität: Durch Multiplikation einer Basisaktivität mit einem Faktor lassen sich alle Aktivitäten auf dem zugehörigen (linearen) Produktionsprozess erreichen.
- b) Additivität: Zwei technisch mögliche Aktivitäten lassen sich auch gemeinsam durchführen.
- c) Free Disposal: Es ist technisch möglich, sich unerwünschter Einsatzfaktoren oder Produkte zu entledigen.
- Durch Ausnutzung von Proportionalität und Additivität ergeben sich gemischte Prozesse bzw.  Prozesskombinationen. Trotz linear-limitationaler Faktoreinsatzmengenverhältnisse auf dem einzelnen Prozessstrahl ist es daher in der Technologiemenge insgesamt möglich, Einsatzfaktoren gegeneinander zu substituieren, d.h. an die Stelle der Faktorsubstitution tritt die  Prozesssubstitution.
- 8. Auswirkungen: Die durch diese Eigenschaften beschriebene konvexe Technologiemenge hat die Form eines Kegels mit der Spitze im Ursprung des Güterraums (Kegeltechnologie).
- 9. Ergebnisse: Durch parametrische Variation einzelner Restriktionen in einer als lineares Programm dargestellten linearen Technologie lassen sich ertragsgesetzliche Verläufe ( Produktionsfunktion,  Isoquante,  Transformationskurve) herleiten. Diese bestätigen sich auch bei der Einbeziehung von Umweltwirkungen bzw. -gütern.
- 10. Beurteilung: Die l.A. hat sich als tragfähiges Konzept erwiesen, um aus wenigen Annahmen mit einfachen Hilfsmitteln umfassende produktionstheoretische Aussagen herzuleiten. Eine Erweiterung um fast alle betriebswirtschaftlich relevanten Sachverhalte (z.B. Absatzgrenzen, Finanzierungsentscheidungen, Auflagen) ist leicht möglich, so dass sie einen weiten Geltungsbereich aufweist.

Lexikon der Economics. 2013.

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